Ich möchte nicht übermäßig kritisch sein, zumal ich den Bloch eigentlich auch mag und vieles im Video anschaulich erklärt und dargestellt wird. Einige Aussagen stimmen aber nicht so recht.
Irrtum #1
Bloch sagt, dass ein DKG nur sequenziell zugkraftunterbrechungsfrei schalten kann. Ich sage: stimmt nicht! Ein DKG kann zwar nur zugkraftunterbrechungsfrei zwischen beiden Getriebezweigen hin und her schalten. Das heißt aber nicht, dass zwangsläufig immer sequenziell geschaltet werden muss. Ein Gangwechsel von 6 nach 3, 2 nach 5 usw. ist problemlos ohne Zugkraftunterbrechung möglich. Bloch sagt, dass man beispielsweise beim Hochschalten von 4 nach 6 eine Zugkraftunterbrechung hätte, weil zwischenzeitlich in den 5. Gang geschaltet werden muss. Das stimmt aber nicht, sämtliche Hochschaltungen sind zugkraftunterbrechungsfrei, auch wenn sie keine Gänge überspringen. Das Beispiel 4 nach 6 ist ohnehin ein schlechtes, weil Hochschaltungen nicht zeitkritisch sind und daher grundsätzlich sequenziell erfolgen können. Das schont sogar die Kupplungen, weil die Reibarbeit zeitlich besser auf beide Kupplungen verteilt wird. Außerdem bleiben die Gangsprünge so kleiner. Dadurch steigt der Komfort und die Dauer der Überschneidungsschaltung bleibt konsistent. Damit beim Überspringen von Gängen der Komfort nicht zu stark leidet, müsste man die Schleifphase länger auslegen, doch dabei würde wieder mehr Wärme entstehen.
Ein besseres Beispiel wäre eine zeitkritische Rückschaltung von 6 nach 4 gewesen, die im Prinzip genauso abläuft wie die Hochschaltung, allerdings spricht man in diesem Fall vom 5. Gang als "Stützgang". Dadurch dauert das Schalten zwar minimal länger, aber die Zugkraft wird auch hier nicht unterbrochen.
Fazit: Ja, das ist so, ein DKG kann grundsätzlich ohne Zugkraftunterbrechung schalten. Es spielt keine Rolle von welchem in welchen Gang geschaltet werden soll.
Irrtum #2
Da stimme ich ihm im Großen und Ganzen zu, eine Wandlerautomatik ist in der Anfahrsituation im Vorteil und für Zugfahrzeuge besser geeignet, alleine schon wegen der Drehmomentüberhöhung. Der Rest ist so halb richtig. Bei den nassen DKGs ist eine Überhitzung der Kupplung oder anderer Getriebekomponenten nicht möglich, zumindest solange die Getriebesteuerung nicht fehlerhaft arbeitet. Im DSG sind zahlreiche Selbstschutzmechanismen implementiert, die stufenweise greifen. Zunächst versucht das Getriebe durch verschiedene Maßnahmen die Kupplungstemperatur zu senken (Kühlölfördermenge erhöhen, Motordrehmoment drosseln, Schleifphasen verkürzen), anschließend wird der Fahrer gewarnt, und wenn dieser sämtliche Warnungen ignoriert und alle Stricke reißen öffnet das Getriebe beide Kupplungen. Die Temperatur sinkt dann rasch wieder. Das Getriebe nimmt auch keinen Schaden wenn man am Berg mit Hänger langsam anfährt. Überhaupt muss man mit einem nassen DSG schon recht viel Anstellen, damit es überhaupt zu einer Warnung kommt. Man kann mit einem vernünftigen DSG (DQ250, DQ381, DQ500, hust, hust) ruhig ein paar mal am Berg anfahren, sogar mit Hänger, ohne das Getriebe danach wegschmeißen zu müssen.
Mit einem trockenen würde ich das allerdings wirklich nicht unbedingt machen, genauso wenig mit einem Schaltgetriebe. Beim DQ200 kann die Kupplungstemperatur beispielsweise gar nicht gemessen werden, daher kann das Getriebe auch nicht direkt auf eine kritische Kupplungstemperatur reagieren. Zwar sitzt in der Mechatronik ein Temperaturgeber, aber auch dieser lässt keine direkten Rückschlüsse auf die Kupplungstemperatur zu. Beim Anfahren kann die Temperatur in einer Trockenkupplung sehr kurzfristig ansteigen, was sich in der Mechatronik bestenfalls mit starker Verzögerung äußert. Auf der anderen Seite bezweifle ich, dass jemand mit einem DQ200 einen schweren Wohnwagen ziehen will.
Irrtum #3
Auch hier wieder, Unterschied zwischen nassen und trockenen DKGs. Der Hinweis ist aber gut, denn das halbherzige Treten der Bremse sorgt für unnötigen Verschleiß, wenn auch nur minimalen, und erhöht den Kraftstoffverbrauch. Daher ist das ein sehr guter Hinweis! Auch bei nassen DSGS sollte man im Stand immer die Bremse komplett treten.
Irrtum #4
Ich finde es gut, dass er Pauschalaussagen eine Absage erteilt. Wenn man das DQ250 mit einer modernen Wandlerautomatik mit 8 oder 9 Gängen, einer bedarfsgerechten Ölpumpensteuerung, Druckspeicher, lackageoptimierten Hydrauliksystemen usw. vergleicht, dann können die Wandler mit dem DSG mithalten. Wenn man aber einen modernen Wandler mit einem modernen DKG wie dem DQ381 oder dem Getrag 7DCT300 vergleicht, dann wird das DKG immer vorne liegen. Die Wandlerüberbrückungskupplung steigert zwar den Wirkungsgrad weil sie Wandlerschlupf unterbindet, aber trotzdem dreht der Drehmomentwandler sich weiterhin im Getriebeöl, was nicht gerade optimal ist und einer kraftschlüssigen Reibkupplung nicht gleichkommt.
Der entscheidende Punkt ist aber ein ganz anderer. Bei nassen DKGs gibt es während der Fahrt immer eine geöffnete Kupplung, die Schleppmomentverluste generiert. Dies ist der Hauptgrund für den Mehrverbrauch nasser DKGs im Vergleich zu den trockenen. Bei einer Wandlerautomatik sind aber gleich immer mehrere Schaltelemente, also Lamellekupplungen oder -bremsen, geöffnet und generieren solche Schleppmomentverluste. Daher kann eine Wandlerautomatik selbst mit der Wandlerüberbrückungskupplung nie den Wirkungsgrad eines DKG erreichen. Die trockenen DKGs haben das Schleppmomentverlustproblem erst gar nicht. Aber von denen halte ich ja nicht besonders viel...
Generell zur Belastbarkeit von Doppekupplungsgetrieben (auch im Anhängerbetrieb): Sämtliche DSG-Varianten verfügen über einen teilweise wesentlich kürzer übersetzten ersten Gang als der Handschalter, wodurch die Radzugkraft beim Anfahren deutlich erhöht und die Schleifphase deutlich verkürzt werden kann. Doppelkupplungsgetriebe werden sogar in Lkw und anderen schweren Nutzfahrzeugen an Stelle der Wandlerautomatik eingesetzt (z. B.
Volvo I-Shift).
Irrtum #5
Bloch behauptet Doppelkupplungsgetriebe hätten Lamellenkupplungen, trockene wie nasse. Zumindest verstehe ich das so, denn er zeigt ja auch zwei Mal eine Lamellenkupplung. Ich kenne allerdings kein einziges trockenes DKG mit Lamellenkupplung. Der Unterschied ist nicht, ob die Lamllenkupplung mit Öl durchströmt wird oder nicht, die Kupplungen sind grundsätzlich ganz anders aufgebaut. Auch hinsichtlich des Komforts muss ich ihm widersprechen. In der Fachliteratur spricht man davon, dass nasse Kupplungen eine bessere Regelgüte aufweisen, und das verwundert mich auch nicht, denn beispielsweise neigen sie deutlich weniger zum Rupfen. Und dann sind mit nassen Kupplungen Getriebefunktionen wie der Mikroschlupf realisierbar, wodurch sich eine bessere Entkoppelung des Motors erreichen lässt, da Schwingungen und Drehmomentspitzen gedämpft werden. Nasse Kupplungen sind daher nicht nur belastbarer, sondern auch komfortabler. Wenn man nun den Schaltkomfort eines (intakten) DQ200 mit dem eines nassen DSG vergleicht, dann sollte man nie vergessen, dass man auch völlig unterschiedliche Motorisierungen vergleicht, die den Schaltkomfort maßgeblich beeinflussen.
Irrtum #6
Keine Einwände. Naja, einen vielleicht: Man solle aufpassen mit Aussagen wie "Der Ölbad-Wandler hat keine Kupplung und dadurch keinen Verschleiß". Die Wandlerautomatik hat Kupplungen, eine Menge sogar (s. o.), er hat nur keine Anfahrkupplung. Allerdings halten Schaltgetriebekupplungen in der Regel ein Autoleben lang. Wieso sollte man sich dann über die Belastbarkeit einer ausreichend dimensionierten nasse Lamellekupplung Gedanken machen?
Schlussbemerkung
Letzendlich ist mir schon klar, dass der Bloch in einem 10-Minuten-Video, bei dem nicht nach der ersten Minute 9 von 10 Zuschauern bereits ausgestiegen sein sollen, nicht alles ultra-differenziert darstellen kann. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn wenigstens eines dieser technikorientierten Videos zumindest mal größtenteils richtig wäre, denn ansonsten tragen sie eher zur Entstehung von Irrtümern als zur Aufklärung bei. Potential war da, denn einige Ansätze sind auch wirklich gut, z. B. die kleinen Zahnstocher-Modelle: einfach aber trotzdem sehr anschaulich.
In den Kommentaren schreibt einer:
Und wieder eine Folge, mit super Erklärungen. Da ist faktisch alles richtig. 1000 mal besser als dieser GRIP-Kindergeburtstag.
Schön wär's...
Sorry ChrisEngel, dass ich dein Video so zerpflückt habe. :nene: