Also ich bin mir immer noch nicht ganz sicher was du genau wissen willst, aber ich versuche das Anfahr- bzw. Kriechverhalten des DSG mal genau zu beschreiben. Meine Beschreibung gilt jetzt vor allem für die nassen DSGs. Beim DQ200 gibt es einen kleinen Unterschied, auf den ich dann am Ende nochmal zurückkommen werde.
Das Fahrzeug steht. Sobald eine Fahrstufe (D oder ) eingelegt ist, erhöht das DSG bereits geringfügig den Kupplungsdruck. Dadurch wird im Stand bei getretener Bremse schon ein kleines Drehmoment übertragen, d. h. der Motor zieht bereits ganz leicht an den Rädern. Beim Lösen der Fußbremse steigt der Kupplungsdruck umgekehrt proportional zum Bremsdruck. VW nennt dieses Verhalten "Kriechregelung". Das Fahrzeug verhält sich genau wie eine Wandlerautomatik und beginnt von selbst, also ohne Gas, anzurollen. Dies Geschieht zunächst im 1. Gang, doch unmittelbar nachdem das Fahrzeug losgerollt ist wechselt das Getriebe auf den bereits vorgewählten 2. Gang und rollt dann mit ca. 5-6 km/h. Beim weiteren Beschleunigen mit dem Gaspedal wird die Kupplung weiter geschlossen. Ab dem Punkt, wo sie (fast) kraftschlüssig ist, wird über die Motordrehzahl weiter beschleunigt. Bremst man das Fahrzeug von der Kriechgeschwindigkeit mit der Bremse herunter wird die Kupplung weiter geöffnet und beim Lösen der Bremse wieder geschlossen. Erst kurz vor Stillstand wechselt das Getriebe wieder das andere Teilgetriebe mit dem 1. Gang. Wenn man beispielsweise an eine Kreuzung heranrollt und beim wieder Anfahren noch nicht komplett gestanden hat, erfolgt der Anfahrvorgang im 2. Gang.
Heißt: Das Getriebe hat eine komplizierte Kriech- und Geschwindigkeitsregelung in einem Geschwindigkeitsbereich von ca. 0-18 km/h, in dem die Geschwindigkeit hauptsächlich durch ein definiertes regulieren des Kupplungsschlupfes beeinflusst wird. Dabei ist feststellbar, dass die Fahrzeugeschwindigkeit sich ändert, die Motodrehzahl aber konstant bleibt. Das Verhalten gleicht aus Fahrersicht dem einer gewöhnlichen Wandlerautomatik, welche bei eingelegter Fahrstufe permanent an den Rädern zieht. Beim DSG wird allerdings bei vollständig getretener Bremse das Kupplungsmoment auf ein Minimum reduziert. Durch diese Standabkopplung wird Last vom Motor genommen, wodurch das Geräusch- und Vibrationsverhalten des Motors verbessert und der Krafstoffverbrauch reduziert wird. Es gibt Wandler-Getriebe, die das ebenfalls beherrschen, und zwar indem sie ganz ähnlich wie das DSG eine Lamellenkupplung im Getriebe (teilweise) öffnen.
Beim DQ200 wird im Stand überhaupt kein Drehmoment übertragen, da ein Schleifen der trockenen Doppelkupplung zu verschleißintensiv wäre und die Trockenkupplung davon abgesehen auch kein Schleppmoment hat. Hier beginnt die Drehmomentübertragung tatsächlich erst mit dem Lösen der Bremse.
Um nochmal den Bogen zu deiner ursprünglichen Frage zu Spannen: Das Anrollen beim Lösen der Bremse erfolgt sehr weich und sanft, wodurch es auf glatter Fahrbahn kaum zu durchdrehenden Rädern kommt.
Ergänzung zu deinem Nachtrag:
Bei manuell kommt man nur über Kupplung nicht los, gibt man leicht Gas drehen die Räder durch.
Man kann natürlich beim DSG auch nicht pauschal sagen, dass ein Anfahren ohne Gas bei jeder Steigung und jeder Antriebskonfiguration möglich ist, da dies immer von der Übersetzung des 1. Ganges und dem Motordrehmoment abhängt. Auch gibt es sicherlich je nach Softwarestand geringfügige Unterschiede beim Kriechverhalten des DSGs. Selbst die beiden 2.0 TDI verhalten sich nicht identisch.
Ich kann jetzt auch hauptsächlich für den 2.0 TDI mit DQ250 sprechen. Hier verhält es sich so, dass aufgrund des relativ hohen Motordrehmoments und des im Vergleich zum Handschalter kürzer übersetzten 1. Ganges selbst an steileren Hängen ein Anrollen ohne Gas möglich ist. Ab einer gewissen Steigung ist aber Schluss, das fühlt sich dann auch nicht besonders gesund an den Motor unter solch hoher Last eine Steigung hinauf zu quälen. In solchen Situationen muss man daher auch beim DSG Gas geben, und dann verhält sich das Getriebe auch anders als beim Anfahren auf der Ebene. Der 1. Gang wird beispielsweise deutlich länger hochgezogen bevor in den 2. Gang geschaltet wird. Allerdings kuppelt das Getriebe immer noch sanft und behutsam ein, zumindest solange man es versteht das Gaspedal nicht nur digital zu bedienen.
Wenn es beim DSG beim Anfahren oder Lösen der Bremse einen Ruck gibt (Auto Hold oder Berganfahrassistent ausgenommen), funktioniert es nicht einwandfrei. Die meisten Berichte über ruppiges Anfahren betreffen das DQ200.