Der_vom_See
Ich denke nicht, dass das Schleifen in einer solchen Situation problematisch ist. Im besten Fall wird die Oberfläche des Kupplungsbelages dabei etwas aufgefrischt. Wäre ich an deiner Stelle, würde ich ganz normal in D die Auffahrt hochfahren und das Getriebe machen lassen.
Meine Vermutung ist, dass etliche Faktoren zu dem Problem beitragen. Wie stark diese ins Gewicht fallen hängt vermutlich hauptsächlich vom Fahrprofil ab.
Das D2-Schleifen kann Problematisch werden, wenn das Getriebe häufig über ausgedehnte Zeiträume im Stop-and-go-Verkehr betrieben wird. Dabei können die Kupplungsbeläge verglasen. Ganz besonders in Märkten wie China oder Australien scheint das DQ200 aufgrund dieses Zusammenhangs häufig Probleme gemacht zu haben. Dass VW zur damaligen Zeit das DQ200 bei Taxi-Fahrzeugen aus dem Programm genommen hat, nährt den Verdacht, dass der Hersteller selbst dem Getriebe ein solches Nutzungsverhalten nicht unbedingt zutraut. Bis heute liefert VW in Taxis nur noch nasse DSGs aus, auch in solchen Motorisierungen, die bei normalen PKW mit DQ200 angeboten werden. Seit der Einführung des MQB haben die damit zusammenhängenden Symptome (Rupfen, Rucken, Verlust der Kriechfunktion) allerdings stark abgenommen oder treten teilweise überhaupt nicht mehr auf.
An der VW-eigenen Aussage, dass die Kupplungsbeläge Feuchtigkeit aufnehmen, scheint durchaus etwas dran zu sein. Möglicherweise hat man um die oben genannten Probleme zu lösen mit der Zusammensetzung der Kupplungsbeläge experimentiert und ist damit einen Tauschhandel eingegangen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang meines Erachtens nach vor allem ein fundamentaler Unterschied zwischen DSG und Handschalter: Beim Handschalter ist die Kupplung im geparkten Zustand geschlossen. Durch Druck aufs Pedal wird sie gegen die Kraft einer Feder geöffnet. Beim DSG ist es genau umgekehrt. Ohne permanenten Kraftaufwand durch die Mechatronik gehen die Kupplungen durch Federkraft auf. Folglich sind die Kupplungen im geparkten Zustand des Fahrzeugs geöffnet. Daher braucht das DSG auch eine Parksperre. Sofern die Kupplungsbeläge tatsächlich größere Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen können, stünde hierfür natürlich bei geöffneten Kupplungen eine deutlich größere Oberfläche zur Verfügung. Ob noch weitere Faktoren zum Rutschen beitragen, wie ein etwaiges oberflächliches Anrosten der Treibscheibe, ist mir leider nicht bekannt, möglich wäre es aber. Das Feuchtigkeitsproblem dürfte die Hauptursache für das bei vielen Auftretende Rutschen sein.
Schlussendlich scheint noch das Thema Kupplungsadaptionen eine Herausforderung sein. Damit das DSG einwandfrei funktioniert müssen der Getriebesteuerung die Reibwerte der beiden Kupplungen in sämtlichen Betriebszuständen bekannt sein. Anders als bei einem Handschalter werden beim DSG die Kupplungen nicht permanent mit dem maximalen Druck "zugeknallt", sondern der Druck wird in Abhängigkeit vom Eingangsdrehmoment geregelt. Dabei soll das Kupplungsmoment immer nur gerade so weit über dem Eingangsdrehmoment liegen, dass kein unerwünschter Schlupf entsteht. Dieses Prinzip nennt man Drehmomentnachführung. Wer OBDeleven oder etwas Vergleichbares hat kann beim Fahren mal mitloggen, dann lässt sich das sehr gut nachvollziehen. Das Getriebe kann den Schlupfzustand der Kupplungen zwar über einen Vergleich zwischen Getriebeeingangsdrehzahl und Drehzahl der jeweiligen Getriebeeingangswelle erkennen, aber alleine dadurch dürfte sich das Getriebe nicht vernünftig regeln lassen, da die Steuerung letztendlich immer nur auf bereits aufgetretenen Schlupf reagieren kann. Die Schwierigkeit von Kupplungsadaptionen bei bestimmten Fahrprofilen wird in verschiedenen Patentschriften zu Kupplungsadaptionsverfahren (zum großen Teil VW-Patente) erklärt.
Leider muss man sagen, dass viele DSG-Symptome auch bei Handschaltern häufig auftreten, dort aber vom Fahrer eher akzeptiert werden, beispielsweise Kupplungsrupfen. Trockene Kupplungen neigen stärker zum Rupfen als nasslaufende Lamellenkupplungen, unterliegen stärkeren Reibwertschwankungen usw. Für automatisierte Kupplungssysteme eignen sich nasse Kupplungen meiner Ansicht nach einfach wesentlich besser, da sie beherrschbarer und wesentlich belastbarer sind. Dies bezahlt man leider mit einem schlechteren Wirkungsgrad (Schleppmomentverluste im geöffneten Zustand) und höheren Unterhaltskosten durch regelmäßig anfallende Ölwechsel.