Ich habe meine Zweifel daran, dass nicht jedes DQ200 diese Probleme in mehr oder weniger ausgeprägter Form hat. Die genaue Ursache für dieses Kupplungrutschen kenne aber auch ich nicht. Ich vermute es ist ein äußerst komplexes Zusammenspiel von mehreren Faktoren, und VW weiß selbst nicht so recht wie man das Problem lösen soll.
In der TPI wird behauptet das sporadisch auftretende Kupplungsrutschen von 200-500 U/min läge an hygroskopischen Eigenschaften des Reibbelags der Doppelkupplung. Mit anderen Worten: Der organische Reibbelag kann eine bestimmte Menge an Feuchtigkeit aufnehmen, was dann zu diesem Rutschen führt. Dass organische Kupplungsrreibbeläge Feuchtigkeit aufnehmen, stimmt. Die Behauptung wäre auch in so fern plausibel, als das Rutschen vornehmlich bei kaltem Fahrzeug auftritt und sich dann nach einiger Zeit gibt, weil bei einer Erwärmung der Kupplung die Feuchtigkeit verschwindet. Ein paar Anfahrvorgänge dürften sollten eigentlich schon ausreichen.
Es gibt aber auch Zweifel. Bei vielen dauert es sehr lange bis das Rutschen komplett verschwindet. Manche haben das Rutschen zunächst auch nur in einem Teilgetriebe und erst später in beiden. Überhaupt passt die zeitliche Veränderung nicht zu dieser Feuchtigkeitstheorie. Das Rutschen tritt mit zunehmender Laufleistung immer häufiger und immer länger auf. Weiterhin stellt sich die Frage weshalb VW überhaupt einen Kupplungstausch anordnet, wenn das Rutschen auf spezifische Eigenschaften des Reibbelags zurückzuführen ist? Anschließend wird eine Kupplung des gleichen Typs verbaut und das Rutschen fängt nach kurzer Zeit wieder an.
Ich habe deshalb folgenden Verdacht: Das DQ200 hat große Probleme mit kurzfristigen Reibwertschwankungen und vielleicht sogar langfristigen Veränderungen. Damit das Getriebe einwandfrei funktioniert müssen solche Kennwerte fortlaufend adaptiert werden. Offenbar funktioniert die Kupplungskennlinienadaption nicht richtig, d. h. der Zusammenhang zwischen Kupplungsweg und Kupplungsmoment. In Folge des regelmäßigen Durchrutschens bei einigen Fahrzeugen könnte sich der Reibwert beschleunigt verändern, was Adaptionen zusätzlich erschwert. Das Getriebe schließt ganz offensichtlich die Kupplung nicht mit genügend Anpressdruck. Einen Einfluss darauf kann das Fahrprofil haben, aber auch wo das Fahrzeug überwiegend, inbesondere nachts, parkt. Die Aufnahme von Feuchtigkeit ist also nur einer von mehreren Faktoren, der den Reibwert der Kupplung beeinflusst, was VW offenbar große Schwierigkeiten bereitet. Interessant ist, dass nach einer erfolgten Getriebegrundeinstellung mit Adaptionsfahrt das Durchrutschen eine Zeit lang nicht mehr auftritt. Dies würde meinem Verdacht, dass das Getriebe im regulären Fahrbetrieb nicht häufig genug adaptieren kann, zusätzlichen Nährboden geben. Man muss bedenken, dass VW auch permanent an der Software dieses Getriebes herumbastelt. Zu Golf 6-Zeiten war Kupplungsrutschen beim DQ200 kein großes Problem, allerdings hat da die Kupplung oft gerupft oder beim Schalten geruckt. Rupfen tritt jetzt kaum mehr auf, dafür dieses Rutschen. Es wirkt fast so, also hätte VW das eine Problem um den Preis eines neuen Problems behoben.
Ich denke daher, dass das Durchrutschen bei jedem DQ200 in zumindest in geringem Maße auftreten kann, und bei einigen Fahrern, wenn es durch bestimmte Faktoren begünstigt wird, eben besonders stark und häufig. Ich vermute auch, dass viele Fahrer es gerade bei einem Automatikgetriebe nicht bemerken oder richtig deuten können. Bei einem Schaltgetriebe würde man das deutlich eher bemerken, weil das Getriebe dort ohne eine Aktion des Fahrers nichts tut. Das Verhalten von VW im Umgang mit diesem Problem halte ich für hochgradig widersprüchlich.
Davon abgesehen gibt es aber auch noch andere Probleme mit diesem Getriebe, z. B. das weiter oben angesprochene Quietschen des Einrücklagers beim Anfahren und/oder Schalten. Da hilft allerdings wirklich ein Kupplungstausch.
Äußerst interessant finde ich die von purzelpurzel geschilderten Riefen im Kupplungsstellerzylinder. Diese können ja eigentlich nur durch Verunreinigungen entstehen, doch wo sollen die beim DQ200 herkommen? Die Mechatronik hat einen eigenen, nach außen hin dichten Ölkreislauf. Also gibt es nur drei Möglichkeiten: Im hydraulischen System arbeiten Teile nicht sauber und erzeugen Abrieb, es dringt Schmutz von außen in die Mechatronik ein (z. B. an den Kupplungsstellern) oder das Öl wird zu heiß und es entstehen Verkokungen.
Wie dem auch sei, ums DQ200 werde ich Zeit meines Lebens einen großen Bogen machen.