Ob jemand seinen Seat oder Audi oder XXX nun nach Betriebsanleitung einfahren soltte oder nicht, das kann man hier sicher nicht pauschal klären. Jeder kann gerne seine Meinung und Erfahrungen äußern. Das abschließende Bild muss sich jeder dazu selbst machen.
Man kann ja gerne mal über den Tellerrand hinausschauen.
Bei PKW sind die Betriebsbedingungen und Anforderungen an die Motoren sehr sehr unterschiedlich.
Verbrennungsmotoren in Blockheizkraftwerken, Schiffen und LKW funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie die in PKW. Dort sind die Betriebsbedingungen und Anwendungen aber eher gleich, sie lassen sich also relativ gut vergleichen.
Wie werden also solche Motoren "eingefahren"?
Große Nutzfahrzeuge haben in etwa die gleichen Hinweise in der Betriebsanleitung: Sachte, wenig Last, niedrige Drehzahlen....
Erfahrungsberichten von Spediteuren nach sind aber oft gerade die Leihzugmaschinen und ehemalige Vorführfahrzeuge die leistungsfähigeren und die mit dem geringeren Ölverbrauch.
Was denn nun? Warum schreibt der OEM dend dann solche Hinweise?
John Deere, als der größte Landmaschinenhändler verhält sich offiziell nicht anders wie andere OEMs: "niedrige Last, keine hohen Drehzahlen,..."
Allerdings wird jeder fabrikneue Schlepper noch im Werk auf dem Prüfstand voll belastet? Hat er nun im Werk bereits einen Schaden erlitten?
Es ist also eine Glaubensfrage, die heißer diskutiert wird als sie in wirklichkeit ist!
Ich komme aus dem professionellen Motorsport:
Unter anderem habe ich F3, Audi DTM, Judd V8, Cosworth V8 und als Hobby einen M3 E30 Gruppe A betreut. Dabei war oft der Motor ein zentrales Thema.
Teilweise wurden die Motoren auf einem Prüfstand lange (20h) sehr sachte eingelaufen.
Oft mit einem weniger schmierfähigen Öl um Reibstellen schneller aufeinander anzupassen.
Manche wurden sofort im Rennwagen verbaut voll belastet und haben auch gehalten.
Die Vorgehensweisen waren vllt. nicht willkürlich. Da haben sich die Ing. sicher etwas dabei gedacht. Und bei namenhaften Herstellern ist da auch einiges an Erfahrung mit im Spiel!
Dennoch waren die verschiedenen Ansichten grundverschieden.
Aber eines hatten alle gemein: Warm- und Kaltfahren!
Im Rennsport hatten wir Motoren, da wurden Wasser, Motoröl und Ladeluftkühler vorgeheizt! Alles, nur kein Kaltstart - das war das wichtigste.
Es wundert mich, dass das Thema mit einem vorgezogenen Ölwechsel noch nicht ausgiebig disktuiert wurde.
Früher kamen nach 1h Betrieb noch Späne mit dem Öl heraus. Klar sind die heutigen Motoren viel geneuer gefertigt. Trotzdem gibt es Abrieb, der vom Öl nur bedingt gebunden werden kann und raus sollte.
Ich würde den neuen Motor gemütlich warm fahren und dann die Beanspruchung deutlich schneller, als in der Betriebsanleitung vorgeschlagen, steigern.
Heißt nach 200km darf er Vollgas und hohe Drehzahlen haben.
Dafür würde ich aber den ersten Ölwechsel nicht bei 20tkm machen, sondern eher bei 5tkm.
Ein gewisser Ölverbrauch spricht in meinen Augen für einen guten Motor. Der Ölfilm kommt mit der Verbrennung in Kontakt. Demnach verbrennt eine gewisse Ölmenge.
Wenn sehr wenig Öl verbrennt, dann war wenig Öl an der Zylinderwand. Bleibt der Ölstand gleich oder steigt gar, dann trägt irgendetwas ins Öl ein. Dann würde ich eher von einem Defekt ausgehen, als bei einem Verbrauch von 1L auf 20tkm.
mfg