Ferdinand: Der Marketing-Aspekt war schon klar. Da die Begrifflichkeiten unklar zu sein scheinen, marketingrelevant ist erstmal alles, das einen absatzfördernden Effekt haben kann, unabhängig vom tatsächlichen Nutzen für den Käufer. Das trifft sicher auch auf das PP zu. Zu einem Marketing-Gag hingegen wird es erst dann, wenn der tatsächliche Nutzen in Relation zum Marketing äußerst gering ausfällt. Daher nochmal: Bei einem in vielerlei Hinsicht auf Sportlichkeit getrimmten Fahrzeug wie dem Cupra bei belastbaren Bremsen von einem Marketing-Gag zu sprechen, ist meiner Ansicht nach Schwachsinn. Ganz im Unterschied dazu, ob nun ein Golf R oder ein Cupra 10 PS mehr als der andere hat, das ist dann wirklich fast nur Marketing ohne ernsthaften Nutzen.
Davon ab, den Zusammenhang zwischen Cupra und Nordschleife unter 8 Min. passt am ehesten noch zum Sub8 Package, was im Unterschied zum PP wohl ziemlich geringe Absatzzahlen hat. Und dass die Preise für das Bremsenupgrade teuer wären, passt höchstens, wenn man die Preise für vergleichbare Upgrades bei so ziemlich jedem anderen Hersteller ignoriert.
Das mit den Absatzzahlen und den Zusammenhang brauchen wir wohl nicht weiter zu thematisieren. Einfach mal die Marken im Konzern nach Durchschnitts- oder Maximalleistung sortieren, und dann nochmal nach Absatz oder Umsatz. Wenn man dann die Einträge relativ zur Positionierung von VW betrachtet, dürfte schnell auffallen, wie absurd die Annahme dieses Zusammenhangs ist.
Auch wenn uns AAuto-Bild und Co. seit Jahren suggerieren wollen, dass es da einen unglaublichen internen Machtkampf im Konzern gäbe, bei denen die Produkte gegeneinenander antreten, ist die Konkurrenzsituation in Wahrheit deutlich vielfältiger. Wenn neben dem S3 und Golf auch Marktanteile vom Civic, Megane, M135i, A45, RS, ST, etc. gewonnen werden können, sieht das schon wieder ganz anders aus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Management bei VW sich nicht einfach einfältig von Maximen leiten lässt, sondern ihre Produktgestaltung von angenommenen Idealpositionierung in Preiselastizitätskurven abhängig macht. Und wenn davon ausgegangen wird, dass der entgangene Gewinn durch niedrigeren Golf R Absatz aufgrund eines stärkeren Cupra R von Mehrgewinn durch letzterem deutlich mehr als aufgewogen wird, halte ich es für absolut plausibel, dass solch ein Auto gebaut werden würde. Aber gesunder Menschenverstand definiert halt jeder anders.
Dass die Qualität von Seat durch die Integration in den Konzern deutlich profitiert hat, ist sicher richtig, aber hat mit dem Thema ja nichts zu tun. Im Endeffekt geht es VW einfach darum, Geld zu machen, das Branding der einzelnen Marken ist da höchstens Mittel zum Zweck.
Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber um die gesamtwirtschaftliche Relevanz eines Cupra Rs für den Konzern einschätzen zu können, bräuchte man erheblich mehr Zahlen, als uns hier vorliegen, auch wenn - frei nach Böhmermann - deine Bauchipedia da etwas anderes sagt.