AW: Lenkrad: Steht schief?
Fürs Serienfahrwerk ist das vorne verdammt viel Sturz. Übrigens sogar mehr als hinten, woraus ein sehr neutrales Kurvenverhalten resultieren dürfte. Rennstreckenaffine Coforisten werden dich um diese Balance beneiden. :]
Aber der Reihe nach. Ich fange vorne an, auch wenn aus gutem Grund immer zuerst die HA vermessen wird, weshalb diese in den Protokollen meist auch oben aufgeführt wird:
VA:
Sturz: Im 1. Protokoll fällt beim Vergleich von Eingangs- zu Ausgangswerten der angeblich verringerte Sturz auf. Das ist schon komisch, wenn man weiß, dass der Sturz eigentlich gar nicht eingestellt werden kann. Man kann ihn nur ausmitteln, d.h. auf einer Seite vermindern und zugleich auf der anderen erhöhen. Das geschieht durch ein Verschieben des Aggregateträgers. Deshalb wäre ich da skeptisch gewesen, wenn du nur das 1. Protokoll gezeigt hättest. Wurde da geschönt, damit die Zahlen nicht mehr rot sind, sondern grün? Und siehe da, im 2. Protokoll liegen die Sturzwerte wieder da, wo sie auch in der Eingangsvermessung von Protokoll 1 lagen, nämlich bei rund -1°20' (was eineindrittel Grad sind, denn ein Grad hat 60 Winkelminuten). Die neuerlichen Differenzen würde ich nicht überbewerten, vermutlich sind es lediglich Messtoleranzen.
Nachlauf: Liegt mit etwa 7°30' im üblichen Rahmen, völlig ok.
Spreizung: Leider ein ganzes Grad Differenz zwischen links und rechts. Die Ausgangswerte in beiden Vermessungen glaube ich nicht ganz. Die Spreizung selbst ist nicht einstellbar, also woher soll's kommen? Nun klar, die Spreizung ändert sich natürlich mit, wenn man den Sturz über ein Verschieben des AGT ausmittelt. Dann sieht zwar der Sturz schöner aus, aber die Spreizung gerät aus dem Lot.
Spurdifferenz: Die 1°39' mögen leicht erhöht sein, aber das Delta zw. li + re ist gering.
Spur: Sie sieht jetzt besser aus. So um die 10' Gesamtvorspur sollte man zugunsten von Lenkgefühl, Geradeauslauf und geringer Seitenwindempfindlichkeit schon haben.
Radversatz und Einschlagwinkel wurden nicht erfasst, und das ist im Allgemeinen auch nicht weiter schlimm, aber hier in diesem ("Un-")Fall hätte beides aufschlussreich sein können.
HA:
Sturz: Da man beides, Sturz wie Spur, an der Verbundlenkerachse praktisch nicht einstellen kann, stellt sich auch hier wieder die Frage, woher die leichten Differenzen kommen. Klar, Messtoleranzen. Aber wenn die Werte in der Ausgangsvermessung "schöner" werden, dann heißt das oft auch, dass jemand aktiv "geschönt" hat. Hier aber nicht tragisch.
Spur: So um die 20' Gesamtvorspur sind an der HA perfekt für ein sicheres und stabiles Fahrverhalten.
Meine Bewertung des Ganzen:
Insbesondere der hohe Sturz an der VA und das Delta in der Spreizung zeigen, dass der Unfall nicht "spur"los an dieser VA vorbeigegangen ist. Ob jetzt der Querlenker, der Aggregateträger (Hilfsrahmen, an ihm hängen die QL), das Schwenklager oder das Federbein etwas verzogen sind, das ist leider schwer zu sagen, und ich möchte nicht spekulieren.
Sicherlich kann man damit jetzt so fahren, wenn das Auto geradeaus läuft und das Lenkrad gerade steht, aber als Geschädigter würde ich mich auf keine Kompromisse einlassen. Immerhin, hinten ist alles ok.
Und selbstverständlich tut es mir leid, dass ich kein schöneres Urteil abgeben kann, aber es ist wie es ist.
Noch ein Hinweis:
Wenn ich es richtig mitbekommen habe, dann hast du aufgrund des Schadens einen neuen Reifen bekommen, vermutlich vorne. Sollten die Profiltiefenunterschiede größer sein, dann kann daraus ebenfalls ein minimaler Schiefstand des Lenkrads resultieren.