Ich habe mal im Herz des Autouniversums (Wolfsburg

) als externer in der IT gearbeitet und auch ziemlich viel über die Produktion in anderen Werken mitbekommen. In WOB gibt es ja mehrere Fertigungsstraßen auf denen (soweit ich weis) immer das gleiche Modell läuft. Das ist aber in anderen Werken ganz anders. Da wäre z.B. der Extremfall VW Autoeuropa in Portugal. Die haben, zu der Zeit wo ich da war, auf einer Fertigungslinie 4 komplett verschiedene Autos montiert (Scirocco 3 , EOS, Alhambra, Sharan). Hintereinander weg, auf einem Band. Und dann ist es auch nicht so, dass an jedem Arbeitsplatz die gleichen Handgriffe an den verschiedenen Fahrzeugen gemacht werden. Sicher gibt es viele Übereinstimmungen (Türen montieren, Armaturenträger einbauen, usw.), wo z.B. bestimme Maschinen/Roboter zu Hilfe genommen werden, die dann da natürlich auch stehen müssen. Aber dann gibt es Montageschritte die abweichen. Z.B. wird bei dem Sharan an der einen Stelle der Gurt eingebaut, beim Alhambra baut der gleiche Werker an der gleichen Stelle einen Querträger im Kofferraum ein. Die Arbeit soll ja auch nicht so monoton sein, damit die Leute nicht vollends verblöden. Da leidet dann ja auch die Qualität und man hat wieder mehr "Montagsautos".
Grundsätzlich hat VW für die Produktionsplanung zig Systeme im Einsatz. Den Überblick habe ich da auch nicht mehr, ich glaube das Hauptsystem heißt FIS , bzw. FIS JIT für Just in Time. Das Ganze ist auch ein extrem komplexes Thema. Wie genau geplant wird weis ich auch nicht, wäre aber wirklich spannend zu wissen. Teilweise arbeiten die dort mit SAP, teilweise mit uralten System auf Mainframe-Basis. Ich denke mal die werden für jedes Fahrzeug einen Planauftrag anlegen. In dem steht für jedes Fahrzeug die Stückliste (Bill of Material, BOM) in der jedes noch so kleine Schräubchen inkludiert ist. Diese Stückliste wird im MRP Lauf aufgelöst und die genauen Bedarfe ermittelt und beschafft. Die Bedarfe werden dann mit dem Lager und den vorraussichtlichen Zugängen an Material abgeglichen. Wenn alles ausreichend vorhanden ist wird eingeplant, bzw. der Planauftrag in einen Fertigungsauftrag umgewandelt. Dieser geht dann in einen Pool an Aufträge der nach und nach abgearbeitet wird. Dann gibt es einen Scheduler der das Band bestückt, hier kann derjenige z.B. auch manuell eingreifen. Habe schon gehört das so mancher gute Bekannte dieser Person bei AUDI ihr Auto schneller bekommen haben. Das geht natürlich erst wenn das Auto auch geplant ist und dann in der Warteschleife für das Band steht.
Das mal Grob zur Theorie. In der Automobilbranche wird eigentlich viel nach dem FIFO-Motto gemacht, also Firs in first out. Grob wird die Abarbeitung der Bestellungen natürlich auch so laufen, Ausnahmen bestätigen die Regel.