Mal ein bißchen was anderes, aber gar nicht sooo abwegig.
Wir haben ja den Vorteil, uns in diesem Forum sehr gut austauschen zu können. Aus diesem Grunde sind wir auch viel besser informiert und können unsere Händler mit diesem Wissen auch konfrontieren. Viele Besteller tun dies nicht, da sie diese Möglichkeit ggf. aus unterschiedlichen Gründen überhaupt nicht in Erwägung ziehen.
Bei einigen Käufern wird es wahrscheinlich folgendermaßen aussehen:
Das Auto, ein Seat Leon Cupra ST (kein 4Drive) wurde Anfang November 2017 beim Autohaus Schulze & Söhne irgendwo in einer deutschen Kleinstadt bestellt. Allerlei möglicher Schnickschnack dabei, denn der schöne 300 PS Wagen soll ja lange halten und auch zukunftsfähig sein, da man nur alle 15 Jahre ein neues Auto kauft. Als Farbe wählte man Eclipse Orange,denn das sah so schön frisch aus an dem einzigen Cupra auf dem Hof des Händlers. Übrigens der Wagen vom Chef, Harald Schulze sen. In den Vertragsunterlagen wurde als möglicher Liefertermin, natürlich unverbindlich, Juni 2018 angegeben. Man vereinbarte, kurz vor Ostern mal miteinander zu telefonieren.
Michael Schulze ist als Sohn des Chefs für den Verkauf zuständig, Tochter Nicole macht die Buchhaltung, Mutter Elvira ist für den Kundenservice als erste Ansprechpartnerin am Tresen zuständig, der älteste Sohn Uwe hat vor 2 Jahren den KFZ-Meister gemacht und leitet jetzt die Werkstatt und das Nesthäkchen, der 17jährige Klaus-Peter hat nach zähem Ringen und einem Jahr Faulenzen die Ausbildung zum Automobilmechaniker begonnen. Natürlich gibt es noch ein paar weitere Mitarbeiter, die sich aber allesamt in der Werkstatt mit Klaus-Peter rumärgern müssen und auch mit Uwe noch ihre Probleme haben. Also ein typischer Familienbetrieb halt.
Gesagt, getan. Auto bestellt und unsere Kunden, Harry Hirsch mit seiner Frau Petra, freuen sich auf das schöne neue Auto. Der gute alte Golf V Variant kommt mittlerweile in die Jahre, aber wird sicher nochmal ein paar Jahre halten. Er soll für den Alltag als Zweitwagen weitergenutzt werden.
Wie vereinbart, ruft Harry im Autohaus an und wird von Elvira mit Michael Schulze verbunden. Dieser antwortet kurz angebunden, da er gerade eine Runde auf dem PC spielt, dass es nichts neues gebe und man sich melden würde, wenn das Auto da ist. Harry und Petra Hirsch sind zufrieden und so vergeht die Zeit. Mittlerweile war man mit dem Variant im Campingurlaub in Holland und der Sommer geht vorbei. Das neue Auto gerät in Vergessenheit.
An einem kalten Herbsttag, der Winter steht schon vor der Tür, klingelt das Telefon.
Der 13jährige Sohn Jonas geht ran: „Hier bei Hiiirsch.“
„Schulze &Söhne GmbH & Co. KG, Sie sprechen mit Mich...“ aufgelegt.
Vater Harry fragt Jonas, wer denn angerufen habe, dieser läuft an ihm vorbei in sein Zimmer, wo die PS4 wartet und ruft dabei: „Ach, da wollte uns wieder so einer was andrehen und da habe ich aufgelegt.“ Vater Harry ist zufrieden mit seiner Erziehung und widmet sich wieder der Tageszeitung, die er morgens beim Frühstück nicht lesen konnte.
Wieder klingelt das Telefon und diesmal eilt die 8jährige Hanna zum Telefon und ruft in den Hörer: „Hiiirsch“
„Schulze &Söhne GmbH & Co. KG, Sie sprechen mit Mich...“ wieder aufgelegt.
Vater Harry fragt Hanna, wer denn angerufen habe, diese sagt; „Ach irgendso ein Schultz und sein Sohn, habe ich nicht verstanden.“ geht an ihm vorbei und dreht den Fernseher wieder lauter.
Harry gerät ins Grübeln, wer denn das wohl war. In diesem Moment klingelt erneut das Telefon. Diesmal entschließt er sich, selbst ranzugehen. Kann jawohl nicht angehen der Telefonterror.
„Harryyyy Hiiiirsch, wer ruft an?“
„Schulze &Söhne GmbH & Co. KG, Sie sprechen mit Michael Schulze. Ich habe eine gute Nachricht für Sie.“ Harry hat erst vor einigen Tagen bei einem Privatsender gesehen, dass Telefonbetrüger am Werk sind und legt auf. Er setzt sich wieder an den Tisch und liest seine Zeitung weiter, als das Telefon erneut klingelt. Diesmal eilt Petra aus der Küche, das Kartoffelmesser noch in der Hand.
„Ihr Auto ist da.Sie sprechen mit Michael Schulze vom Autohaus Schulze & Söhne.“
„Welches Auto?“
„Na, Ihr schöner neuer Seat Leon Cupra ST ist da, freuen Sie sich denn gar nicht?“
„Haaarrrryyy, der Mann behauptet, irgendein Auto wäre da. Weißt DU was davon? Hast Du etwa ein Auto gekauft, von dem ich nichts weiß?“ ruft sie und legt auf.
Da fängt Harry an, sich dunkel zu erinnern. Da war doch mal was. Er geht ins Arbeitszimmer, sucht in seiner Ablage und tatsächlich. Ein Kaufvertrag. „Petraaaa, den haben wir uns doch letztes Jahr ausgesucht. Du wolltest doch unbedingt Orange und das schöne Grau kam für Dich nicht in Frage.“ Jetzt fiel es ihr auch wie Schuppen von den Augen. Tatsächlich. Sie hatten mal ein Auto gekauft. Aufgeregt fordert sie Harry auf, doch endlich dort anzurufen.
Gesagt, getan. Man besprach die Formalitäten und vereinbarte einen Termin zur Abholung. Der Tag rückte näher und voller Freude fährt Familie Hirsch ins 77km entfernte Autohaus, um das neue Familienmitglied und Spielzeug von Harry abzuholen. Besonders auf das schöne Orange freute man sich. Das hob sich so schön von den Chrom-Logos ab. Harry hatte nochmal im Prospekt nachgeschaut und freute sich auf die rotlackierten Bremssättel.
Als man nach einstündiger Fahrt endlich aufgeregt ankam, konnte man keinen orangenen Leon sehen. Ein paar dunkelgraue, weiße und blaue standen dort und ein roter Cupra mit schwarzen Bremssätteln und bronzenen Logos.
Sie gingen ins Autohaus und wurden mit einem strahlenden Lächeln von Harald Schulze empfangen. „Familie Hirsch, nehme ich an? Mein Name ist Schulze. Mein Sohn Michael hat Urlaub und so haben wir das Vergnügen. Ich zeige Ihnen jetzt erstmal das Auto und dann machen wir den Rest. Folgen Sie mir doch bitte.“ Er ging auf den roten Cupra zu und sagte: „Das ist Ihrer. Ist er nicht schön….“