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ChrisEngel
Da hast Du selbstverständlich recht. Jedoch bleibt das Problem bestehen. In den kommenden Jahren dürfte sich dies auch ändern, da die Verbraucher zunehmend das Internet nutzen und durch Amazon etc. bzw. durch die automatisierten Prozesse in ihrem beruflichen Umfeld andere Erwartungshaltungen entstehen. Man will in Realtime über die Bearbeitung und den aktuellen Stand informiert sein. Hierauf richten sich gerade dienstleistungsorientierte Unternehmen aktuell ein und schaffen entsprechende Kundenportale. Es ist ja an sich nicht so schlimm, dass ein Produkt verspätet geliefert wird, belastend ist allerdings, dass die Informationen, die man auf aktive Nachfrage erhält, nun mal nicht ausreichend sind.
Der Kunde darf m.E. zurecht erwarten, dass sich der Lieferant von sich aus meldet und mitteilt, dass Lieferverzögerungen eintreten und aus welchem Grund. Auch sollte man erwarten können, dass Lieferhemmnisse, die gerade bei einem individuell gefertigten komplexen Produkt entstehen können, vom Lieferanten proaktiv gegenüber den Kunden angesprochen werden und Alternativen angeboten werden. Aber da wiederhole ich mich mal wieder. Und wenn, wie z.B. in meinem Fall der Modelljahreswechsel, der zum Zeitpunkt der Bestellung noch in weiter Ferne und vor Ablauf ULT war, dazu führt, dass es zu deutlichen Abweichungen des bestellten Produktes vom am Ende tatsächlich gelieferten Produktes kommt, dann sollte man erst recht erwarten dürfen, dass man eine über diese Abweichungen umfassend und vor allem zeitnah informiert wird und auch hier wieder eine klare Aussage getroffen wird, wann man mit seinem Fahrzeug rechnen kann.
Wie oben erwähnt, wird dieser Anspruch wachsen und sicherlich die digitalen Services zunehmend kaufentscheidend sein. Im Rahmen der Digitalisierung gilt m.E. folgende Reihenfolge, um die sich Unternehmen kümmern sollten: 1. digitale Produkte, 2. digitale Services für die Kunden und 3. digitale Abläufe innerhalb der Organisation. natürlich sind diese Themen miteinander eng verwoben, jedoch wenn man mit dem letzten Themenfeld anfängt, nämlich der Abläufe, dann hat man den Markt schon nicht mehr im Auge und das wird sich in der Zukunft rächen.
Zurück zum eigentlichen Thema. Es kann doch nicht sein, dass Kunden, die im letzten Quartal 2017 ihr Fahrzeug in dem Wissen bestellt haben, es bis zum Frühsommer zu erhalten, heute weder wissen, wann sie es bekommen noch mit welchen Ausstattungsmerkmalen. Zum Modelljahr 2019 haben selbst die Händler keine umfassenden Informationen vorliegen. Sie schließen weiter Verträge über Fahrzeuge ab, die sie nie so ausliefern werden. Wir wissen aktuell und das in der Regel auch nur, wann man beim Händler penetrant auftritt, dass es Motor/Getriebeänderungen geben wird und wann ggf. die Produktion nach den Werksferien beginnen soll. Es liegen keine Informationen zu anderen geänderten Ausstattungsmerkmalen vor.
Ich empfinde dieses Geschäftsgebahren als arrogant, unprofessionell und absolut verbraucherunfreundlich. Andere Branchen würden dafür deutlich stärker kritisiert. Es gibt Branchen, die einer Regulierung durch Behörden unterstehen. Hier wird man auf Prozesse, Kosten und Preise sowie Verbraucherinformation geprüft und unterliegt strengen Vorgaben. Es dürfte an der Zeit sein, bei deutlich teureren Produkten mal genauer hinzuschauen und die Vorgaben für Vertragstreue zu schärfen. Denn man hat auf Treu und Glauben einen Vertrag geschlossen und diesen gilt es in der Regel einzuhalten. Beidseitig.