Gast33205
Wir sind pro Kopf selbstverständlich wesentlich schlechter als China. Ich hatte das vor einiger Zeit schon mal erklärt. In China werden viele Güter für den Konsum in westlichen Ländern produziert. Auf dem Weg zu postindustriellen Gesellschaften haben die westlichen Länder ihre schmutzige Produktion zu großen Teilen in Schwellenländer ausgelagert. Nun zeigt man gerne mit dem Finger auf diese, dabei ist die angestrebte Kosteneinsparung nicht zuletzt auf laxere Umweltstandards zurückzuführen.
Deshalb höre ich es auch gar nicht gern wenn immer auf Andere verwiesen wird, nach dem Motto "Sollen doch die erst mal ihre Probleme lösen!". Mit der Sichtweise mag es sich recht komfortabel leben lassen, aber die Rechnung geht nicht auf. Jeder sollte nach seinen Möglichkeiten überprüfen wie man einen Beitrag leisten kann. Ich sehe da zunächst mal die westlichen Industrieländer in der Pflicht, denn diese konnten sich in den letzten zwei Jahrhunderten auf Kosten der natürlichen Ressourcen einen gewaltigen materiellen Wohlstand aufbauen. Mit solch einem Wohlstand fällt es einem natürlich auch deutlich leichter geeignete Maßnahmen zu ergreifen.
Anderes Beispiel: Es ist völlig richtig und im Sinne des Gemeinwohls der Menschheit und allen anderen Lebensformen auf diesem Planeten von Brasilien zu verlangen, dass der enorme, fortschreitende Verlust von tropischem Regenwald gestoppt wird. Nun wurde aber in West- und Mitteleuropa schon vor hunderten Jahren damit begonnen einen Großteil der natürlichen Wälder zu abzuholzen, zu roden und in Ackerland und Industrieflächen umzuwandeln. Was wäre, wenn Länder wie Brasilien irgendwann von uns verlangen die natürlichen Zustände zumindest auf einem Teil dieser Flächen wiederherzustellen? Wenn wir große Erwartungen an Andere haben, müssten wir dem eigentlich nachkommen. Andernfalls wird man unsere Appelle nur als scheinheiliges Gerede auffassen.
Es wird immer behauptet der Natur in Deutschland ginge es gut. Das können nur solche behaupten, welche die ursprünglichen Zustände der Natur nicht kennen, denn von ihr ist nicht mehr viel übrig. Unser Wohlstand, unsere alltäglichen Annehmlichkeiten, das alles hatte einen hohen Preis, nicht nur für uns selbst.