Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen und auszudrücken, wovon ich die ganze Zeit rede:
bei völlig normaler Fahrweise, also bei ruhigen Fahrten durch die Stadt, Fahrten auf der Landstraße, bei sich normal dahin entwickelndem Verkehr, beim normalen Anfahren an Ampeln und ähnlichen "normalen" sogenannten Alltagssituationen - wobei Alltag für einige eben etwas anderes bedeutet als das oben - hat der 110 PS TDI glasklar die Nase vorn vor einem 1,6 16V. Einfach, weil er nicht ständig bis an in hohe Drehzahlbereiche oder gar an die Grenze gedreht werden muß, um bereits erfreuliche und effektive und dabei über den Werten eines 1,6ers liegende Beschleunigung abrufen zu können.
Aber auch beim Auffahren auf die Autobahn, beim Beschleunigen aus mittlerem Tempo auf der Autobahn (ca. 120 bis 150 km/h), beim Zwischenbeschleunigen von z.B. 60 auf 100, 80 auf 120 und so weiter liegt ein 110 PS TDI ganz sicher vorne. Und das nicht rein nach den möglichen (!) Werten, sondern nach der im vernünftigen und maßvollen Rahmen eingesetzten Fahrweise.
Genau DAS ist doch auch das, was noch leistungsstärkere Autos so komfortabel und souverän macht! Daß man, um normale und mittlere Fahrwerte zu erreichen nicht einmal die Hälfte des zur Verfügung stehenden Potentials ausnutzen muß!
Ich bin vor einigen Wochen über ein WE einen Phaeton V8 gefahren. Das geniale an der Kiste war, daß ein Tipp aufs Gaspedal ausreichte, um Beschleunigung überhalb meines Autos zu erzeugen und das ohne, daß man es dermaßen im Antriebsstrang gemerkt hätte, sondern nur an der Tachonadel und an der schneller vorbei huschenden Landschaft.
Ich habe und hätte niemals permanent das gesamte 335 PS Potential abrufen wollen. Was ist daran dann noch entspanntes und souveränes Fahren? Ich habe an solcher Hetzerei nichts.
Aber es ist schön zu wissen, daß man könnte, wenn man wollte.
Und an Turbodiesel liebe ich es, daß man nicht ständig muß, wenn man will. Das ist bei einem 1,6er aber der Fall.
Wie gesagt, ich hatte selbst einen (Golf III 1,6), daher rede ich nicht wie ein Blinder von der Farbe.
Sicher- der 1,6 kann auch, wenn man will, wenn man die Leistung abrufen will. Aber die kommt eben erst bei höheren Drehzahlen. Und mit denen macht es weder Spaß herumzufahren noch ist es komfortabel, noch bewegt sich dabei der Verbrauch in einem vernünftigen Rahmen, noch ist das eine Fahrweise, mit der man souverän und entspannt unterwegs ist. Es ist viel mehr eine ständige Hetzerei, Dreherei, Runterschalterei, um wieder hohe Drehzahlen zu haben, dazu noch das breiter abgestufte 5- Gang Getriebe (jetzt mal verglichen mit einem ähnlich leistungsstarken Diesel mit 6 Gängen).
Und ganz besonders deutlich werden die Unterschiede dann, sobald es mal etwas den Berg hoch geht. Da spielt der Turbodiesel mit seinem Drehmoment erst richtig seine Stärken aus.
Damit beide Motorisierungen die gleichen Werte bei eben solchen Fahrsituationen erreichen, muß der Benziner gedreht und getreten werden. Okay, wem das Spaß macht, der möge es genießen. Ich empfinde das als Ausquetschen des Motors, der dabei laut wird, rauh und schluckt. Der Diesel aber braucht, um bereits sehr angenehmen Vortrieb zu erzeugen, deutlich weniger getreten werden. Und das ist zumindest meine Vorstellung von angenehmem Fahren.
Sicher mag der 1,6 sogar vorne liegen bei Fahrsituationen wie 0 auf 100, sicher kann man die Gänge weiter drehen und muß bei solchen Extrembeschleunigungen weniger schalten.
Aber der Autoalltag ist doch kein 1/4 Meile Rennen und nicht die Nordschleife. Jedenfalls nicht bei mir und sicher auch nicht bei der überwältigenden Mehrheit der Autofahrer!
Für mich setzt nicht der Motor das Limit oder den normalen Rahmen für Geschwindigkeit und Beschleunigung. Ich wäre in einem 911 ganz genau so unterwegs wie in meinem Mégane, da bin ich mir absolut sicher. Denn nicht das ständige Abrufen des maximal Möglichen ist der Spaß an der Sache, sondern der sehr hohe Effekt bei sehr wenig eingesetzter "Energie"!