AW: RE: Kupplungszylinder bei 32 TKM defekt
Diese Spielchen kenne ich von einer VW/Audi Werkstatt.
Audi 100 2.8EV6 Automatik hatte mit einemmal übelst beim Schalten geruckelt, man kam sich vor als säße man in einem kleinen Vierzylinder mit ´nem 1.Stunde-Fahrschüler am Steuer und nicht in einer Sechszylinder-Limousine der oberen Mittelklasse mit Automatikgetriebe.
Werkstatt wechselte erstmal das Getriebeöl, kein Erfolg.
Getriebe-Steuergerät überprüft und neue Software drauf, das Ruckeln blieb.
Nochmal Getriebeöl abgelassen, Getriebeölwanne abmontiert und nachgesehen ob "die Schaltschieber gängig" sind, irgendwelche Spulen durchgemessen... nix, es ruckelte nach wie vor.
"hilft nix, da ist das komplette Getriebe hin, un´ rebbariern kann me des net, des aale Gelersch muss wech!"...
klasse, der Wagen wurde gerade ein halbes Jahr vorher angeschafft, weil der Vorgänger (ebenfalls ein Audi 100 mit Automatikgetriebe, aber die Vorgängerserie und 4-Zylinder) ein durch Montagepfusch vorzeitig defektes Getriebe hatte, wirtschaftlicher Totalschaden.
Aber was soll´s, der Kundendienstmeister erkundigte sich schon mal nach den Lieferzeiten für ein Austauschgetriebe, und ich mich nach einem günstigen Ratenkredit für die ~6000 Steine.
Einige Tage später dann erreichte der Spritverbrauch immer neue Rekordwerte. 9-13l/100km waren je nach Fahrzyklus ja normal bei dem "Dickschiff", aber dann standen da 18, kurze Zeit später 27 und einen Tag später unglaubliche 42 Liter auf dem Display, parallel dazu ging die Leistung in den Keller, der Motor ging beim Anfahren bald schon aus! Dazu eine Qualmentwicklung wie bei einem museumsreifen Dieseltraktor.
Boschdienst, Fehlerspeicher der Motorsteuerung ausgelesen und: klare Sache, beide Lambdasonden waren wohl erst sporadisch und dann dauerhaft "tot", daraufhin ging das Motorsteuergerät in den Notbetrieb. Der bewirkte neben dem massiven Leistungsabfall samt Mehrverbrauch auch, daß während des Schaltvorgangs nicht mehr, wie im Normalbetrieb, für Sekundenbruchteile der Motor abgeregelt wird, um die Schaltrucke zu reduzieren.
Neue Sonden rein und alles war wieder bestens. OK, die ersten Kilometer war der offenbar durch den Notbetrieb im Abgastrakt total zugesiffte Motor nicht sonderlich munter, aber nach ca. 100km war das auch Vergangenheit.
"Des aale Gelersch", zu dem Zeitpunkt als es für tot erklärt wurde gerade mal 65.000km alt, hielt übrigens noch bis zum Weiterverkauf bei 220.000km und darüber hinaus, ohne jemals wieder Probleme gemacht zu haben.
Wie wäre eigentlich die Rechtslage gewesen (sprich wer wäre auf den Kosten sitzengeblieben), wenn tatsächlich das neue Getriebe reingekommen wäre, was ja den Fehler nicht behoben hätte?
Ähnlich, wen nauch nicht gar so heftig, ein paar Monate später bei einer anderen Werkstatt.
Der Audi hatte gerade einen üblen Heckschaden überstanden (linkes Seitenteil vom Rückleuchtenausschnitt bis zur Hinterkante der Tür komplett aufgerissen, Hinterachse aus dem Rahmen gerissen und geknickt, Heckblech und Kofferraumboden sowieso komplett fertig usw.). Beim Unfall selbst oder später bei der De- oder Wiedermontage in der Werkstatt wurde dann wohl die Aufhängung des Endschalldämpfers beschädigt und riss einige Wochen später ab.
VAG-Werkstattmeister: "Au weia, da muß der ganze Dämpfer raus, und dabei gehen meist die Flansche an den Rohren drauf, ist ja alles festgerostet bis vorne an die Rohre mit dem Kat. Schätze mal des ganze aale Gele..." ...mein Gesichtsausdruck muß sich wohl in dem Moment so verfinstert haben, daß er den Satz nicht mehr zu vollenden wagte.
Dem Meister einer freien Werkstatt in der Nachbarschaft gelang es dann, unter Zuhilfenahme einiger "exotischer" Ersatzteile (u.a. die Wandhalterung einer Satellitenantenne) eine neue Halterung für den Endschalldämpfer zu bauen, und mit dieser erreichte die Auspuffanlage ein für diese Baugruppe geradezu biblisches Alter, nämlich ebenfalls mindestens die 220.000km bis zum Weiterverkauf des Audi...
(*) "Des aale Gelersch muß wech" ist hier im vorderen Hochtaunuskreis ein recht beliebter Spruch geworden, nachdem der Leiter des hiesigen Bauhofs durch mißbräuchliche Verwendung dieses Begriffs die versehentliche Entsorgung von Teilen eines denkmalgeschützten Bauwerks und in der Folge heftigste Schadenersatzforderungen des Eigentümers auslöste...